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Beobachter vom 17. Februar 2000

In-vitro-Fertilisation: Ein Verbot würde niemandem nützen

In der Schweiz leben bereits 6000 künstlich gezeugte Kinder. Eine Volksinitiative will nun die umstrittene Befruchtung im Labor verbieten.

von Esther Haas

Mit jeder weiteren Internetseite wird es intimer: «Welche Hautfarbe hat Ihre Mutter?» - «Sind Sie je an einer Depression erkrankt?» - «Wie oft und mit wem hatten Sie in den letzten zwölf Monaten Sex?» Der Fragebogen für zukünftige Eizellenspenderinnen ist nichts für Ungeduldige. Oder können Sie aus dem Stegreif die Farbe der Haare Ihres Grossvaters nennen, als er noch welche auf seinem Haupte trug?

Spenderinnen brauchen auch nach dem Fragemarathon auf der Homepage des US-amerikanischen «Genetics & IVF Institute» viel Durchstehvermögen. Denn die Entnahme von weiblichen Eizellen aus dem Eierstock ist kein Sonntagsspaziergang. Ob die Keimzellen der eigenen künstlichen Befruchtung dienen oder eine entlöhnte Spende für eine unfruchtbare Unbekannte sind: Das Verfahren bleibt dasselbe.

Damit im Eierstock mehrere Eizellen heranreifen, muss sich die Patientin nach der letzten Menstruation täglich während zwei bis drei Wochen Hormone spritzen. «Die Brüste werden riesig, und auch der Bauch schwillt an, weil sich die Eierstöcke vergrössern», schildert Anna M. den Zustand ihres Körpers während dieser hormonellen Stimulationstherapie. «Ich war müde, hatte ständig Schmerzen im Kreuz und fühlte mich gereizt.» Die 28-jährige Frau und ihr Ehemann haben sich zur künstlichen Befruchtung entschlossen, weil sie auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können.

Die Eizellenspende für Dritte wird in der Schweiz bald untersagt sein. Dieses Verbot ist Teil des bereits im Dezember 1998 vom Parlament verabschiedeten, jedoch noch nicht rechtskräftigen Fortpflanzungsmedizingesetzes. Es legt im Detail fest, was der Beobachter mit seiner Verfassungsinitiative «gegen Missbräuche der Fortpflanzungs- und Gentechnologie beim Menschen» 1987 ins Rollen gebracht hat: die Bedingungen für die Anwendung der medizinisch unterstützten Fortpflanzung beim Menschen.