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Medienmitteilung vom 24. Mai 2000 Fortpflanzungsmedizin birgt «grundsätzliches Dilemma» Fortschritt oder Risiko - Fischer will breiten gesellschaftlichen Konsens zur Biomedizin Die moderne Biomedizin stellt die Gesellschaft nach Worten von Gesundheitsministerin Andrea Fischer vor ein «grundsätzliches Dilemma». Einerseits verhelfe sie kinderlosen Paaren zum Nachwuchs, andererseits berge sie auch die Gefahr grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, sagte Fischer zum Auftakt eines Symposions «Fortpflanzungsmedizin in Deutschland» am Mittwoch in Berlin. Die Veranstaltung solle eine breite Diskussion über die Möglichkeiten und Grenzen der modernen Biomedizin in Gang bringen, die gegebenenfalls auch in neue Gesetze einmünden könne. Für viele ungewollt kinderlose Paare seien die Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin ein großer Segen gewesen: «Was jedoch aus der Sicht des einzelnen ein Fortschritt ist, kann Konsequenzen haben, die die Gesellschaft womöglich ganz grundlegend verändern», sagte Fischer. Die Chance, individuelles Leid zu verhindern, bedeute keine Rechtfertigung dafür, auch alles Machbare zu tun. Mit den neuesten Erkenntnissen und Techniken der Biomedizin sei es heute auch möglich, beispielsweise genetisch veränderte Embryonen auszusondern und der Mutter nur die gesunden einzupflanzen. Dadurch bestehe jedoch die Gefahr einer «schleichenden Abwertung von Kranken und einer Diskriminierung von Behinderten», betonte die Ministerin. Die sogenannte Präimplantationsdiagnostik, bei der außerhalb des Mutterleibes erzeugte Embryonen auf genetische Veränderungen untersucht und bei positivem Befund vernichtet werden, gehört zu den umstrittensten Neuerungen auf dem Gebiet der Fortpflanzungsmedizin. Noch verbietet das seit zehn Jahren geltende Embryonenschutzgesetz jede Manipulation an Embryonen zu Forschungszwecken und fordert, alle befruchteten Eizellen in die mütterliche Gebärmutter zurückzupflanzen. Experten wie der Gynäkologe Klaus Diedrich von der Lübecker Universitätsfrauenklinik und Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, plädierten jedoch - wenn auch unter strengen Indikationsstellungen - für die offizielle Einführung dieser Methode. Vertreter mehrerer Behindertenorganisationen sowie das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche Deutschlands dagegen forderten ein ausdrückliches Verbot dieser Möglichkeit. An dem Fortpflanzungssymposion, das noch bis zum Freitag in Berlin stattfindet, nehmen rund 600 Mediziner, Juristen, Geisteswissenschaftler und Vertreter der Gesellschaft teil. |
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