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Das Wunschkind aus dem Reagenzglas, Teil - 2


Ab dem ersten Zyklustag erhielt Heidi Zimmermann täglich eine Hormoninjektion zur Anregung der Eierstöcke (siehe Box). Regelmässig wurden Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Als sich die Eibläschen im richtigen Entwicklungsstadium befanden, wurde der Eisprung ausgelöst, die Eizellen entnommen und im Reagenzglas mit den Samenzellen ihres Mannes befruchtet. Zwei Tage später, nach der Kernverschmelzung, wurden die Embryonen in ihre Gebärmutter gebracht.

«Im Unispital Zürich werden heute in der Regel zwei transferiert, um das Risiko einer Mehrlingsschwangerschaft gering zu halten», sagt Fortpflanzungsmediziner Bruno Imthurn. IVF hat jedoch auch andere unerwünschte Nebenwirkungen. In den Eierstöcken können sich Zysten bilden, die allerdings nach einiger Zeit wieder verschwinden. Zudem vergrössern sich bei 0,1 bis 0,5 Prozent der behandelten Frauen die Eierstöcke so stark, dass Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit und Durchfall eintreten. «Wird nicht eingegriffen, kann dies im Extremfall zum Tod führen», sagt Imthurn, «eine engmaschige, medizinische Überwachung ist deshalb bei IVF wichtig.»

Rund die Hälfte aller Frauen bekommt nach einem oder mehreren Behandlungszyklen ein Kind. Bei Heidi Zimmermann dauerte es ein bisschen länger: «Die Hoffnung war jedesmal gross, die Enttäuschung noch grösser, wenn es wieder nicht geklappt hatte. Ich musste mir jedesmal sagen: Ich bin genug stark, ich lasse mich nicht in ein Loch ziehen.»

Beim sechsten Mal geschah das sehnlichst Erwartete: Heidi Zimmermann wurde schwanger. «Wir waren die glücklichsten Menschen der Welt.» Im Juli 1991 kam Marion auf die Welt.

Zimmermanns haben nie verheimlicht, dass sie ihre Tochter dank der modernen Fortpflanzungsmedizin bekommen haben. Dies ist keine Selbstverständlichkeit. In vielen Kreisen wird diese Art von Zeugung aus ethischen oder religiösen Gründen abgelehnt. «Familie und Bekannte haben aber immer sehr positiv reagiert», sagt Heidi Zimmermann, «doch die breite gesellschaftliche Akzeptanz, gerade auf dem Land, fehlt nach wie vor.»