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Methoden

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Nach hormoneller Stimulation werden der Frau so viele reife Eibläschen wie möglich operativ entnommen - Punktion - und in der Glasschale mit dem Sperma des Mannes befruchtet. 2 bis 3 Tage später werden die Embryonen, die nun im 4- bis 8-Zell-Stadium vorliegen, durch die Vagina in die Gebärmutter der Frau übertragen. Zusätzliche Embryonen im Vorkernstadium können tiefgefroren werden.

Um die Chancen einer Schwangerschaft zu erhöhen, werden in der Regel mehrere Embryonen gleichzeitig übertragen. Beträgt die Mehrlingsrate in der Normalbevölkerung 1 bis 2 Prozent, liegt sie nach einer IVF-Behandlung bei etwa 25 Prozent.
In der Schweiz implantiert man laut Imthurn heute maximal drei, meistens jedoch nur noch zwei Embryonen. In den USA werden auch heute noch bis zu sechs 6 Embryonen implantiert, und entsprechend ungeregelt ist dort die Handhabung der sogenannten "selektiven Reduktion": Auf Wunsch der Eltern kann die Anzahl der Embryonen in einem frühen Entwicklungsstadium reduziert werden.

Bei der Kryokonservierung von Embryonen stellt sich die Frage nach schädlichen Auswirkungen auf die spätere Entwicklung des Kindes. In einer unlängst publizierten Studie aus Schweden wurden Kinder, die aus tiefgekühlten Embryonen hervorgingen, auf ihre Entwicklung hin untersucht ("The Lancet" 351, 1085-1090; 1998). Zumindest in den ersten 18 Lebensmonaten unterschieden sich diese Kinder nicht von ihren auf normalem Weg gezeugten Altersgenossen. In der Schweiz wie in Deutschland ist das Einfrieren von Embryonen verboten. Hier dürfen nur imprägnierte Eizellen im sogenannten Vorkernstadium eingefroren werden.

 

GIFT

Wie die herkömmliche IVF beginnt auch GIFT mit der hormonellen Stimulation der Frau. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Ei- und Samenzellen getrennt in einen der Eileiter übertragen werden. So findet die Befruchtung denn auch nicht im Reagenzglas statt, sondern, wie bei der natürlichen Zeugung, im Eileiter.
Manche Paare entscheiden sich wegen ethischer Bedenken gegenüber der "künstlichen Befruchtung" für das GIFT-Verfahren. Laut Bruno Imthurn vom Universitätsspital Zürich verliert GIFT heute jedoch zunehmend an Bedeutung. Denn die Belastung für die Frau ist bei diesem Verfahren grösser als bei einer gewöhnlichen IVF.

 

Intrazytoplasmatische Spermien-Injektion (ICSI)

Wie die IVF, doch statt der spontanen Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas wird ein einzelnes Spermium aufgrund seiner Beweglichkeit unter dem Mikroskop ausgewählt und in das Zytoplasma einer Eizelle gespritzt.

Da für das Verfahren im Prinzip nur eine einzige Samenzelle nötig ist, können selbst Männer mit schwersten Fruchtbarkeitsstörungen Nachkommen haben. Die ICSI kam 1992 in Belgien erstmals zur Anwendung. Heute wird ICSI jedoch zunehmend auch bei anderen Indikationen eingesetzt, etwa wenn die Ursache der Unfruchtbarkeit unklar bleibt.

Einige Männer mit Fruchtbarkeitsstörungen weisen chromosomale Schäden auf, die mit ICSI möglicherweise auf nachfolgende Generationen übertragen werden könnten. Erst kürzlich berichtete eine australische Gruppe über eine etwas verlangsamte geistige Entwicklung von einjährigen ICSI-Kindern. Belgische Forscher hingegen kamen zu einem anderen Schluss. Sie fanden im Alter von 2 Jahren keine verzögerte Entwicklung ("The Lancet" 351, 1529-1534 und 553; 1998).

 

MicroEpididymal Sperm Aspiration (MESA)

Sind keine Spermien im Samenerguss, so können diese chirurgisch aus dem Nebenhoden oder aus dem Hodengewebe gewonnen werden. Verfahren danach analog der ICSI.

 

Blastozystentransfer

Bei dieser Methode wird das Embryo nicht bereits zwei bis drei Tage, sondern erst fünf Tage nach der Befruchtung in die Gebärmutter übertragen. Auch bei einer natürlichen Schwangerschaft erreicht das Embryo die Gebärmutter erst am fünften Tag.
Ziel dieser relativ neuen Methode, die in vielen Ländern der Welt heute praktiziert wird, ist es, der ‹bertragung schwerer Erbkrankheiten vorzubeugen. In England etwa möchte man mit dem Blastozystentransfer mehr Zeit zur Durchführung der Präimplantationsdiagnostik gewinnen.
Ein weiterer Vorteil des Blastozystentransfers ist die Vermeidung von Mehrlingsgeburten. Nach zwei Tagen ist oft noch nicht erkennbar, welche Embryonen sich gut entwickeln werden. Aus diesem Grund werden mehrere Embryonen pro Behandlungszyklus übertragen. Nach fünf Tagen hingegen lässt sich bereits viel besser abschätzen, welche Embryonen überlebensfähig sind. Anstelle der heute noch üblichen zwei bis drei Embryonen müsste man noch einen einzigen Blastozysten übertragen.

 

In-vitro-Reifung

Mit ihr soll es in Zukunft möglich werden, Eizellen im Reagenzglas reifen zu lassen. Eine kleine Gewebsprobe wird aus den Eierstöcken entfernt und eingefroren. Unter geeigneten Kulturbedingungen könnten dann einzelne Follikel zur Reifung angeregt werden.
Angewendet werden könnte diese Methode dereinst von jungen Krebspatientinnen, deren Eierstöcke im Verlauf einer Therapie bestrahlt werden müssen.
Die In-vitro-Reifung dürfte sich aber schnell zu einer beliebten Methode der modernen Fortpflanzungsmedizin entwickeln, liesse sich doch damit die belastende hormonelle Stimulation umgehen. Nicht zuletzt würde ein solches Verfahren Frauen die Möglichkeit eröffnen, ihre Eier in einem "jungen Zustand" aufzubewahren. Berufstätige Frauen könnten sich in jungen Jahren eine Gewebsprobe entfernen lassen und sich erst in fortgeschrittenerem Alter für eine Schwangerschaft entscheiden. Denn obwohl die Qualität der Eizellen mit dem Alter abnimmt, ist die Gebärmutter auch in höherem Alter noch imstande, ein Kind auszutragen.